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Projekt des Monats November: Zwei Jahre „Zufriedenes Zuhause“ im Zellertal

Der Verein „Zufriedenes Zuhause“ wurde im November 2018 gegründet. Kaum am Start mit großen Plänen, wurde die Vereinsarbeit durch die Corona-Pandemie wieder jäh ausgebremst. Eine echte Herausforderung für den noch jungen Verein.

In der Gemeinde Zellertal im nordpfälzischen Donnersbergkreis leben rund 1200 Einwohner und Einwohnerinnen. Eine von ihnen ist Jutta Wassner-Perkuhn. Die 52-jährige gelernte Erzieherin, die heute im Sozialdienst eines soziotherapeutischen Wohnheims arbeitet, ist Ideengeberin und ein Gründungsmitglied von Zufriedenes Zuhause e.V.. Sie wünschte sich für ihre Heimat einen „dauerhaften Ansprechpartner für Hilfen, die das Leben erleichtern“. Im Interview berichtet die erste Vorsitzende des Vereins von dessen Anfängen und den Entwicklungen bis heute.

Frau Wassner-Perkuhn, zunächst einmal herzliche Gratulation von der Landesinitiative zu Ihrem zweijährigen Vereinsbestehen!

Wassner-Perkuhn: Vielen Dank!

Wie genau entstand denn bei Ihnen die Idee, einen Verein zu gründen?

Wassner-Perkuhn: Es waren zunächst persönliche Erfahrungen, die ich gemacht habe, und in der Folge dann auch einige Erfahrungen, die ich als Berufs- und ehrenamtliche Betreuerin gesammelt habe. Aufgrund dieser Erlebnisse habe ich überlegt, wie man Menschen unterstützen kann, bevor sie in eine abhängige Situation geraten. Gerade ältere Menschen benötigen ja immer wieder phasenweise Hilfe, so hat sich bei mir die Idee entwickelt, einen Verein zu gründen.

Wie ist es dann weiter gegangen?

Wassner-Perkuhn: Nun, ich habe mir Stichpunkte gemacht, wie ich vorgehe und wie ich Vereinsmitglieder gewinnen kann. Da ich einen eingetragenen gemeinnützigen Verein gründen wollte, brauchte es ja mindestens sieben Mitglieder. So habe ich einige kleine Veranstaltungen gegeben und dort über die Idee und mögliche Vereinsinhalte informiert. Wir waren dann acht Personen, die sich getroffen haben, um die Ideen weiter auszubauen und eine erste Satzung zu formulieren. Die Vorbereitungsphase bis zur Vereinsgründung hat etwa ein Jahr gedauert.

Wie hat sich der Verein dann weiterentwickelt?

Wassner-Perkuhn: Wir sind mittlerweile 23 Mitglieder, die circa 30 km rund um das Zellertal leben, davon sind acht im Vorstand tätig. Unsere Altersspanne bewegt sich etwa zwischen Mitte 20 bis etwas über 80 Jahre. Viele der beigetretenen Mitglieder sind dankbar zu erfahren, wo sie sich Informationen holen können, welche Möglichkeiten von Unterstützung und Hilfen es gibt, dass man sich austauschen und selbst unterstützen kann. Unsere Mitglieder bilden sich sozusagen durch den Verein selbst fort und tragen ihr neues Wissen dann auch in ihre Familien weiter.

Haben Ihnen Fördermittel in der Vereinsarbeit weitergeholfen?

Wassner-Perkuhn: Es war zu Beginn schon eine kleine Irrfahrt. Welche Maßnahmen werden wie gefördert? So habe ich dann über das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung auch eine Anfrage an Frau Frank-Mantowski von der Landesleitstelle „Gut leben im Alter“ gestellt. Darüber haben wir dann eine einmalige finanzielle Anschubhilfe erhalten, die uns sehr geholfen hat. Und so kam schließlich auch der Kontakt zu Frau Scholl von der Landesinitiative zustande, durch die wir dann weiter über die Fördermöglichkeiten und den Einsatz von Geldern beraten und begleitet wurden.

…und dann ging es richtig los mit der Vereinsarbeit?

Wassner-Perkun: Nein, das kann ich leider so nicht sagen. Wir hatten bereits einen Flyer mit wesentlichen Infos entworfen, um uns und unsere Arbeit bekannt zu machen, da viele ja keine richtige Vorstellung davon haben, was so ein Verein tut. Wir stellten uns über die Homepage vor und wir hatten erste Vorstellungstermine beispielsweise beim ortsnahen Pflegestützpunkt, bei der Leitstelle Älter werden in der Kreisverwaltung Kirchheimbolanden, in der Verbandsgemeinde Göllheim etc.. Bei Interessengruppen, wie zum Beispiel bei Seniorentreffs oder Erzählkaffees, wollten wir uns mit einem Flip-Chart vorstellen: Wer sind wir, was können wir leisten etc. – und dann kam Corona und alles fiel aus und wurde lahmgelegt.

Was genau lief nicht mehr?

Wassner-Perkuhn: Seitdem steht quasi unsere ganze Öffentlichkeitsarbeit still. Wir hatten zum Beispiel bereits auch zwei Veranstaltungen für dieses Jahr geplant, zum Thema „Wenn die Seele krank ist – Psychotherapie im höheren Alter“ sowie zum Themenkomplex „Patienten- und Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht etc.“ – alles abgesagt. Wir sind richtig ausgebremst worden. Nun müssen wir auf die aktuelle Situation reagieren, unter anderem die Satzung teilweise ändern, damit die Vereinsarbeit weiter funktionieren kann. Zeitweise konnten ja keine Präsenz-Mitgliederversammlungen mehr durchgeführt werden. Der Vereinszweck soll eventuell differenzierter benannt und ausgebaut werden.

Was hat das mit der Stimmung im Verein gemacht?

Wassner-Perkuhn: Die Euphorie, die anfangs da war, wurde von der Corona-Krise dermaßen gedrückt, dass sogar Überlegungen aufkamen, ob wir den Verein ruhen lassen oder gar auflösen sollen. Es war eine schwierige Situation im Sommer, in der wir uns neu orientiert haben. Wir mussten uns zum Beispiel etwas einfallen lassen, wie wir unsere Mitglieder in dieser Zeit der Pandemie weiter bedienen können. So ist uns die Idee mit einer Bedarfs- und Angebotsliste gekommen. Mit dieser können wir beispielsweise Einkaufshilfen und Telefonkontakte gegen die Einsamkeit organisieren. Auch verteilen oder versenden wir bei Bedarf Infomaterial zu den ausgefallenen Themenveranstaltungen an die Mitglieder.

Haben Sie in dieser Zeit digitale Kommunikationsmittel genutzt?

Wassner-Perkuhn: Bei uns im Vorstand kommunizieren wir zum Teil per E-Mail, aber auch klassisch mit dem Telefon. Wir haben zudem unsere Homepage, auf der sich die Mitglieder registrieren können. Dort stellen wir ein Forum für den Mitgliederaustausch zur Verfügung, einen Bereich mit aktuellen Informationen, wie zum Beispiel Einladungen etc. und einen Download-Bereich, auf dem man wichtige Formulare findet, etwa zur Beantragung von Wohngeld oder Sozialhilfe. Allerdings: Die Homepage wird leider nicht stark frequentiert, denn einige Mitglieder nutzen das Internet gar nicht.

… und das bedeutet?

Wassner-Perkuhn: Wir fahren zweigleisig. Neben der Homepage erstellen wir auch vereinzelte Rundschreiben, sodass die Mitglieder einen Infobrief im Briefkasten erhalten. Wir überlegen zudem auch eine Telefonkette aufzubauen. Außerdem gibt es zweimal die Woche nachmittags Telefonsprechzeiten. Über die Verbandsgemeinde könnten wir für Sprechzeiten auch Räume erhalten, aber dafür ist unser Verein noch zu klein.

Welche Ziele haben Sie sich für die Vereinsarbeit gesteckt?

Wassner-Perkuhn: Zunächst einmal sind wir froh, dass unsere kleinen Hilfen untereinander ganz gut funktionieren. Sobald es wieder möglich ist, werden wir unsere Fühler weiter ausstrecken, um uns bekannter zu machen. Dies läuft derzeit einfach nur sehr schleppend. 2021 möchten wir unsere Mitgliederbasis weiter stärken und interne Fortbildungen anbieten zu Themen wie Antragsmöglichkeiten zu verschiedenen Leistungen. So etwas kommt gut an. Wir wollen uns weiter bekannt machen vor Ort bei Interessengruppen, aber auch vernetzen, etwa lokal mit Vereinen oder auch über die Landesinitiative.

Wir wünschen Ihnen dabei viel Glück und ein gutes Gelingen! Vielen Dank für das Interview, Frau Wassner-Perkuhn.

Weitere Informationen über die Hompage des Vereins oder die Projektdarstellung bei der Landesinitiative.